Jawbone UP – Technik Gedöns am Handgelenk

Vor zwei Jahren hielt mir Frank Tentler ein komisches Armband vor die Nase und erzählte er würde sich jetzt selbst „(ver-)messen“, also digital Aufzeichnen wieviel er sich bewegt oder schläft. Ich war sofort angefixt hatte ich doch längst alle Lauf Apps ausprobiert.

Wie kam es dazu,…

Angefangen hat alles vor ca. 4 Jahren als ich wieder mit dem Joggen anfing. Damals gab es die Nike+ Laufsensoren die für mich wie gerufen kamen, so konnte ich meine Gadgetsucht mit dem Sport verbinden. Zumal ich immer auf der Suche nach einer Möglichkeit war meine Läufe digital aufzuzeichnen. Leider klappte dass nicht sehr gut da der Schrittzähler eine große Abweichung teilweise von mehr als 10% hatte und erst als ich ein Smartphone mit GPS bekam konnte ich dieses Problem lösen. Ich testete viele Apps durch, die am Markt erhältlich waren und bis heute laufe ich nun mit RunKeeper, der wie ich finde komfortabelsten Laufapp.

Dann kam Frank irgendwann mit diesem Armband und faselte was von Bewegung und Schlafen. Dieses Armband misst also anhand eines Bewegungssensors mein tägliches verhalten, in Sachen Bewegung bzw. Schritten. Dummerweise folgten kurze Zeit später viele Meldungen über technische Ausfälle und ich beachtete das Produkt nicht mehr.

Quantified Self so heisst das also!

Auf dem Barcamp Ruhr 6 entschloss ich mich zu einer „Selbstvermessungs-Session“ mit Jann Eicker, der uns dort die Quantified Self Bewegung näher brachte. Also um es mal kurz zu beschreiben Menschen die sich selbst vermessen und das eben auf digitalem Wege. Also fängt es beim Gewicht, Blutdruck, Puls oder eben auch bei der täglichen Bewegung oder gar dem Schlaf an. Dazu gibt es derzeit viele technische Gadgets auf dem Markt wie WLAN Körperwaagen, Bluetooth Blutdruckmessgeräte oder eben die bunten kleinen Armbänder.

Aktuell gibt es vier ernstzunehmende Produkte wobei man dazu immer sagen muss das es sich dabei zwar um Geräte handelt die heute jeder kaufen kann (Gerätepreise zwischen 100-190€) es aber sicherlich noch keine wissenschaftliche Tools sind. Was also Hochleistungssportler seit Jahren nutzen wird nun der breiten Masse ermöglicht.

Da es sich bei dem Nike Fuel Band nur um einen Schrittzähler handelt und das FitBit Flex keinen Phasenwecker hat entschloss ich mich also nach einer Recherchephase von knapp 4 Wochen für das Jawbone UP.

Was kann das jetzt?

Tagsüber misst das Jawbone UP mein Bewegunsgverhalten (Schritte), was auch sehr gut funktioniert, nachdem ich das Band kalibriert habe. Auch im Vergleich mit RunKeeper bleiben die Werte nahezu Identisch. Nachts tracke ich damit mein Schlafverhalten und bekomme einen sehr guten Überblick wie lange, und wie gut ich geschlafen habe. Parallel dazu speichere ich was ich gegessen und getrunken habe. Das wichtigste für mich ist der Wecker, denn ich habe oft Probleme mit Kopfschmerzen sobald ich wie aus dem nichts vom Wecker aus dem Schlaf gepeitscht werde. Da hilft das UP denn es ermittelt anhand meiner Bewegungen im Schlaf wann ich aus einer Tiefschlafphase komme und weckt mich dann in einem Zeitfenster von 30 Minuten zum spätmöglichsten Zeitpunkt. Dies finde ich sehr praktisch und es Funktioniert bisher auch einwandfrei! Alleine für diese Funktion hat sich die Anschaffung wirklich gelohnt. Weiterhin kann man sich mit Freunden verbinden und im Team zusammen Erfahrungen austauschen. Das ganze kann man noch mit anderen Tools wie z.b. RunKeeper oder IFTTT koppeln umso weitere Funktionen anzubinden. Auch Trends und eine gesamte Lebenslinie Zeigen den kompletten Verlauf aller Aufzeichnungen an, so dass man Schlüsse über sein Verhalten daraus ziehen kann.

Wie geht’s weiter?

Ich trage das Band nun seit 8 Wochen und stelle doch einige Veränderungen fest. Zum einen Bewege ich mich mehr, das heißt ich laufe mehr Treppen statt mit dem Aufzug zu fahren, oder laufe auch mal zum Bahnhof statt die U-Bahn zu nehmen. Von daher hat sich wirklich was verändert, denn statt der empfohlenen 6500 Schritte leiste ich im Schnitt fast 9000 (oder Mehr) ab je nachdem wie das Wetter ist. Ich werde vielleicht nicht dazu übergehen abends noch die Schritte zu laufen die mir fehlen aber im Mittel passt es ganz gut. Anhand der Ernährungstabellen kann ich mir sehr schnell und sehr gut einen Überblick verschaffen was ich so an guten und schlechten Dingen aufnehme und dies dann auch reduzieren. Allein die Tatsache dass ich von Köln-Ehrenfeld zum Hauptbahnhof laufen muss um ein blödes Croissant abzuarbeiten, daran darf ich gar nicht denken. Das ist aber sicher hilfreich für Leute die sich mit dieser Thematik bis dato noch nicht beschäftigt haben. So wie ich es selber zugeben muss.

Das wichtigste Feature (für mich) aber ist wirklich der Schlafphasen-Wecker alleine deswegen hat sich die Anschaffung mehr als gelohnt. Ich habe wirklich das Gefühl das ich morgens besser aus den Federn komme und fühle mich dann auch den Tag über nicht so schlapp. Auf technische Details möchte ich jetzt nicht zu sehr eingehen, das Band macht für den heutigen Stand der Technik seine Arbeit in Form und Funktion wirklich gut.

In 4 Monaten werde ich nochmals Berichten und wer mag kann gern in mein Team kommen. Da mein Kollege Johannes sich auch seit 4 Wochen mit solch einem Band durch die Welt schlägt bin ich gespannt auf Seine sichweise.

Update 17. September 2013: Kleines Fazit – Heute habe ich mein Jawbone“abgelegt“. Leider war mir diese Version des Bandes viel zu Buggy. Und bevor es ganz den Geist aufgibt werde ich es verkaufen. Ich kann zwar jetzt sagen das ich viele Treppenstufen gelaufen bin statt den Aufzug zu nehmen und ich durch die Kalorienkontrolle auch 4Kg abgenommen habe. Aber die Eingabe der Nahrung ist doch etwas mühsam, vielleicht wird die App ja doch besser. Sollte ich nochmal ein anderes Gadget nutzen lasse ich es Euch wissen. Aktuell werde ich mir jedoch kein solch teures Tool kaufen. Das mit den Schlafphasen hat jedoch sehr gut geklappt. Subjektiv hatte ich das Gefühl morgens nicht mehr so erschlagen zu sein.

Die­ser Arti­kel wurde zuerst im result Wir­kungs­blog ver­öf­fent­licht.