Heimat – Ode an die Grau/Grüne Stadt

Was bedeutet “Heimat” für mich? Das fragt uns alle gerade Katja Wenk in ihrer Blogparade. Und so will ich auch mal versuchen dies aus meiner Sicht zu beantworten.

“Heimat ist wo Mutti kocht” – könnte ich sagen. Da Mutti aber nun mal nicht kocht wie im Pott sondern ehr wie in der Toskana oder in Zürich also nicht typisch Gut/Bürgerlich wäre das (in meinem Falle) ehr verwirrend. Auch könnte ich die typischen Klischees des Ruhrgebiets aufzählen aber auch das wäre nicht ganz richtig, denn Duisburg hat in den letzten 20 Jahren einen immensen Strukturwandel durchzogen. Wo sich einst Stahlkocher und Kumpels die Hand gaben, steht Duisburg heute für Technologie, Freihafen, Tourismus, Kultur (JA!) oder Universität. Duisburg ist auch schon lange nicht mehr grau. Wo war ich? Ach ja Heimat.

Wenn ich weg war und sehe auf der Autobahn die Schilder nach Oberhausen, fängt es an zu kribbeln. In meiner Kindheit verbrachte ich den halben Sommer oft in der Schweiz auf den Bergen, aber wenn es zurück ging und man ab Breitscheid von der A3 aus den “langen Lulatsch” (Turm der Stadtwerke) sehen konnte wusste man, das man gleich “da” ist. Ich bin einer von denen die es in 39 Jahren gerade mal 1Km Luftlinie von dort wo sie geboren wurden weg geschafft haben und das aus gutem Grund. Ich will ja gar nicht hier weg. Oder wie Hans Dieter Hüsch immer gesagt hat:

“Die Schönheit des Niederrheins, mein ich immer, dat is nich sone Angelegenheit, so wie man sacht, Gott is die Frau schön. Das geht tiefer. Dat krisse fast gar nich raus, warum dat so is. Auf den ersten Blick schon gar nicht. Muss ja auch nicht sein, sach ich immer, dat wär ja ne langweilige Schönheit. Nein, der Niederrhein will angeguckt werden. Und dann beginnt die große Liebe. Dat is dat Geheimnis des Niederrheins. Un wer einmal am Niederrhein war, der kommt wieder. Oder bleibt sowieso hier!”

Ich hab schon einige von dannen ziehen sehen, nach Berlin, Mailand, London, Rheinberg, … aber die meisten sind alle wieder gekommen. Duisburg ist eine Stadt mit vielen Gesichtern und ich erzähle jedem, dass wenn ich mit Ihm von Nord nach Süd fahre er gleich 5 Städte auf einmal sehen kann, so vielfältig ist Duisburg. Duisburg ist grün, und wer das nicht glaubt der soll einfach mal an die Sechs Seen Platte fahren. Jemand aus Dresden hat mal zu uns gesagt “Ihr habt ja sogar Bäume hier”. Wir werden verkannt.

Ich bleibe auch hier weil ich nicht niederknien will, vor dem ganzen Scheiss der seit Jahren durch die Presse geht. Damit habe ich zum Glück oftmals nichts zu tun. Wenn man sich anschaut was alles schief gegangen ist kann einem manchmal angst und bange werden. Ich sag mal Küppersmühle, Landesarchiv, Multi Casa, MSV, Bahnhofsplatte, Mafia, Bandidos, Lehmbruckmuseum, Stadtfest, Mercatorhalle und Loveparade. Das ist alles Mist, aber es gibt immer Menschen die es dennoch schaffen, diese Stadt sehr Lebens- und Liebenswert zu machen. Denen schließe ich mich gern an. Denn ich bleib hier. Wo es mir warm ums Herz wird. In meiner Heimat.

Komma vorbei!

 

Das folgende Video ist ein schönes Beispiel für die Arbeit Kulturschaffender in Duisburg, welche in Kooperation mit vielen freiwillig helfenden Händen entsteht.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Die Single „Duisburg bei Nacht“ von Tacheles, ab sofort überall online erhältlich! Produziert von: Thomas Schlenke (Oak Mc), Peter & Tom Karger (Audiobüro) / facebook.com/dertacheles / soundcloud.com/tacheles oder facebook.com/befocusrecords

Teil diesen Beitrag / Share this article

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.