Turandot auf Speed // Kulturtipp

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GIACOMO PUCCINI TURANDOT Oper am Rhein

Es war mal wieder soweit, im Rahmen meiner Tätigkeit als Opernscout für die aktuelle Spielzeit der Oper am Rhein, konnte ich mir die Premiere des Klassikers Turandot von Giacomo Puccini ansehen. Die Oper die seit Jahren von Ihrer Arie „Nessun Dorma“ durch die Kulturszene getragen wird. Ich war sehr gespannt! Die Premiere der Puccini-Oper im Theater der Stadt Duisburg stieß auf Zustimmung, aber auch auf Kritik.

Turandot die Geschichte einer chinesischen Prinzessin, die komische Fragen stellt um geheiratet zu werden. Wer es nicht schafft „Kopf ab“. Puccinis unvollendetes Meisterwerk, hier der Trailer der Oper am Rhein.

Als chinesische Prinzessin ist sie bekannt, die schöne und unnahbare Turandot, deren Legende vermutlich persischen Ursprungs ist. Drei Rätsel muss derjenige lösen, der, kopflos vom Anblick ihrer Schönheit, sie zur Frau begehrt. Wahrhaft kopflos endet der Wagemutige, wenn ihm die Lösung der Rätsel nicht glückt. Doch die Todesgefahr kann die jungen Freier nicht schrecken. Je grausamer die Prinzessin ihr Spiel mit ihnen treibt, umso stärker erstrahlt sie in einer Aura, die sie vor jeglicher Inbesitznahme durch einen Mann schützen soll. So wollen es alle Turandot-Märchen. Doch die Rätselprinzessin gehört nicht zur Gattung der männerfeindlichen Amazonen und Zauberinnen. Ihr Wesen ist archaischer Natur, rückbezogen auf den gewaltsamen Tod einer Urahnin, den sie im Glauben an die Wiedergeburt rächen will. Der Preis für diese selbst auferlegte Passion ist die Einsamkeit, unter der Turandot, ohne es zuzugeben, am meisten leidet.

GIACOMO PUCCINI TURANDOT

Kam leider optisch etwas zu kurz, der Chor!

Als nach der Aufführung der Vorhang fiel, gab es vom Publikum im ausverkauften Duisburger Stadttheater viel Beifall. Für die Rheinoper war die Premiere der berühmten Puccini-Oper Turandot, die in Kooperation mit dem National Kaohsiung Center for the Arts Weiwuying, Taiwan, produziert wurde, durchaus ein Erfolg. Allerdings hörte man auch vereinzelte Buhs. Die Opernscouts, die auf Einladung der Rheinoper und der Rheinischen Post, ebenfalls bei der Premiere dabei waren, spiegelten die unterschiedlichen Meinungen des Turandot-Premieren-Publikums wider.*

Turandot auf Speed?

Allerdings! Ich hab mich wirklich schwer getan diesmal. Die Szenerie hat mich verwirrt, es gab auf der Bühne obwohl simpel aufgebaut wie ein Scherenschnitt viel zu entdecken. Zuviel wie ich fand. Ein ständiges gewuselt rund um die statisch wie angewurzelt stehenden Hauptdarsteller. Dann plötzlich ein Mädchen im Nachthemd, danach eine Schulklasse mit verbundenen Augen. Dazu ständig moderne und völlig grundlose Videoanimationen. Was soll das, was haben die sich dabei gedacht? Die ganze Zeit war ich mit solchen Gedankengängen beschäftigt. Nach der Pause wusste ich, gleich kommt „die“ Arie. Die Arie die uns so bekannt vorkommt, die Arie welche wie keine andere uns an Oper erinnert. Die Arie die uns allen spätestens seit Paul Potts zum heulen bringt. Tut Sie das? Ich hoffte. Sie tat es nicht! Wieder überschlug sich eine schlecht gemachte Video Animation farblich über den angestrengten Tenor. Sehr Schade. Na vielleicht hätte ich diesmal zur Vorbesprechung gehen sollen, aber ich will einfach nur ins Theater. Ich muss nicht immer alles verstehen.

GIACOMO PUCCINI TURANDOT Oper am Rhein

Wirkte wie Charlie Chaplin, ist aber der Kaiser.

Der Rheinischen Post gegenüber sagte ich: Eine solche Begeisterung konnte Rouven Kasten überhaupt nicht teilen. Er fand die Inszenierung überladen. Alles sei „viel zu viel gewesen“ und sei oftmals rätselhaft geblieben. Die Computer-Animationen fand er „einfach schlecht“. Die gesamte Aufführung sei in sich nicht stimmig gewesen. Immer habe er sich gefragt: „Was hat sich das Regieteam dabei nur gedacht?“

Fazit: Das Ensemble der Duisburger Oper hat im punkto musikalischer Leistung alles gegeben, herausragend war aber die Stimme von Brigitta Klee die eine zauberhafte und sicher unterschätzte Liu abgab. Turandot selbst hatte obwohl stimmlich gut besetzt, dennoch mit Ihrer „Erscheinung“ zu kämpfen. Stimme braucht sicher Volumen aber eine chin. Prinzessin war Sie optisch nicht. Zoran Todorovich hat einen soliden Kalaf gegeben, der aber in seinem leicht dahingesungenem Nessun Dorma nicht wirklich mitreißen konnte. Geschuldet war das ganze sicher der überladenen Inszenierung des Teams der Kooperation mit dem National Kaohsiung Center for the Arts (Weiwuying), Taiwan. Die z.t. schlechten Grafiken erinnerten mich an eine chin. Ausstellung im NRW Forum. Ich gehe davon aus das ein hiesiger Theaterkünstler solch schulklassenartige Projektionen nicht verwenden würde.

Weitere Informationen auf der Webseite des Theater Duisburg

Texte (auszugsweise) & Fotos vom Theater / Oper am Rhein / *Peter Klucken – Rheinische Post
Bildrechte: Deutsche Oper am Rhein / © Hans Jörg Michel

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