Ariadne auf Naxos // Kulturtipp

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Ariadne auf Naxos

Im Rahmen meiner Tätigkeit als Opernscout für die aktuelle Spielzeit der Oper am Rhein, konnte ich mir gestern Abend Ariadne auf Naxos ansehen. Ariadne auf Naxos ist eine Oper „in einem Aufzuge nebst einem Vorspiel“ von Richard Strauss. Das Libretto stammt von Hugo von Hofmannsthal.

Ariadne auf Naxos - Oper von Richard Strauss // Ariadne & Zerbinetta

Ariadne auf Naxos – Oper von Richard Strauss // Ariadne & Zerbinetta

Herkunft: Richard Strauss’ (1864–1949) Kammeroper „Ariadne auf Naxos“ wurde am 25. Oktober 1912 im Kleinen Haus des Stuttgarter Hoftheaters als Einlage für Hofmannsthals Bearbeitung von Molières Komödie „Der Bürger als Edelmann“ durch Max Reinhardt uraufgeführt, errang jedoch nur einen Achtungserfolg. Die heute bekanntere Fassung mit dem „Vorspiel“ wurde erst am 4. Oktober 1916 an der Hofoper in Wien aufgeführt. In dieser Version fand „Ariadne auf Naxos“ den Weg auf die Spielpläne aller wichtigen Opernhäuser. In einem „Theater auf dem Theater“ wird der mythologische Stoff der auf der Insel Naxos verlassenen, todessehnsüchtigen Ariadne mit zeitgenössischen Themen der Kunst verwoben: Um sich selbst treu bleiben zu können, müssen sich Mensch und Kunst wandeln können.*

Kritik: „Schein und Wirklichkeit, Bühne und Publikum gehen hier bruchlos ineinander über; es saugt den Zuschauer in einen imaginären Raum, macht ihn unweigerlich zum Akteur in diesem großen Welttheater, wo das Leben ein Spiel und das Spiel das Leben ist. In ihrer spielerischen Virtuosität, in der abgründigen Leichtigkeit, die alles Doktrinäre verdampfen lässt, zugleich aber auch in ihrem ganz aus der Musik gewonnenen Bewegungs- und Gestenreichtum wird diese Inszenierung vielmehr zu einer zu Recht bejubelten Sternstunde aktueller Opernregie.“ So feierte Markus Schwering im Kölner Stadt-Anzeiger die Düsseldorfer Premiere von Dietrich W. Hilsdorfs erster Strauss-Inszenierung.

Ariadne auf Naxos - Oper von Richard Strauss // Tanzmeister

Ariadne auf Naxos – Oper von Richard Strauss // Tanzmeister

„Ineinander über“, dass kann man nur bestätigen. Schon beim Betreten des Theaters fällt auf, dass hier mit dem Begriff Theater gespielt wird. So ist der Übergang von Zuschauerraum und Bühne sehr fließend. Auch bemerkt man fast kaum wann das Stück beginnt. Das Orchester stimmt und probt scheinbar noch während das Stück schon längst begonnen hat. Gehört es doch unmittelbar mit zur Inszenierung. Das gefällt mir gut, denn ich mag es wenn das Publikum mit einbezogen wird. Als der erste Sänger dann aber loslegt, merkt auch der letzte im Publikum das es bereits begonnen hat. Die Interaktion ist teilweise so provokativ und authentisch, dass selbst im Moment als ein verstörtes Paar welches die Oper offensichtlich nicht erträgt, vom Publikum hinausgewiesen wird dem Stück zugewiesen wird. Hier kommen Stimmen auf „ob es wohl dazugehöre“. (Nein, denn das Paar konnte man später in einem Restaurant wiederfinden.)

Ariadne auf Naxos - Oper von Richard Strauss // Die Liebhaber der Zerbinetta

Ariadne auf Naxos – Oper von Richard Strauss // Die Liebhaber der Zerbinetta

Das Orchester mitten auf der Bühne, zwar in schwarz aber leger. Die Schauspieler mitten im Publikum, Laiendarsteller in der ersten Reihe. Atemberaubender Gesang und eine musikalisch Reise in eine Oper die so manchen sicher verstört oder verwirrt. Das die Ariadne auf Naxos kein einfaches Stück ist dies bleibt unbestritten, dennoch spielt es mit einer Leichtigkeit und lädt ein genau hinzuhören. Stimmgewaltig die Ariadne und Zerbinetta, zeigen das es keine Lautsprecher braucht, sondern Ohrstöpsel wenn man in der fünften Reihe sitzt. Lachen, weinen, staunen oder grübeln lässt uns Richard Strauss. Musikalisch dennoch eine Glanzleistung des gesamten Ensembles.

Opernscouts: Ariadne – Etwas verwirrend, aber erfrischend

Julia Kulig hatte, wie auch die anderen Opernscouts, zuvor noch niemals „Ariadne auf Naxos“ im Theater gesehen. Sie fand die Idee toll, wie Hugo von Hofmannsthal als Autor und und Richard Strauss als Komponist die Handlungsstränge miteinander verwoben haben. Ralf Kreiten gefiel an der Aufführung besonders die ironisch gebrochene Verknüpfung von Bühnenwelt und wirklicher Welt. Dr. Birgit Idelberger hob besonders die sängerischen Leistungen hervor. Christoph Grätz war nach der Aufführung begeistert und erschöpft zugleich. Dr. Kathrin Pilger fand die „untypische“ Oper anfangs etwas verwirrend, aber durchweg erfrischend.

Mein Fazit: Mal eben die Ariadne auf Naxos ansehen wollen, könnte nach hinten losgehen. Man sollte sich die Geschichte schon einmal kurz anlesen. Musikalisch und Stimmgewaltig lädt das Stück ein sich einfach mal der Oper hinzugeben. Wer ein modernes Bühnenbild und Interaktion mit dem Publikum mag, der kommt hier auf volle Kosten.

Weitere Informationen auf der Webseite des Theater Duisburg

In deutscher Sprache mit Übertiteln, Dauer: ca. 2 ¼ Stunden, keine Pause, Empfohlen ab 14 Jahren

Texte (auszugsweise) & Fotos vom Theater / Oper am Rhein / *Peter Klucken – Rheinische Post
Bildrechte: Deutsche Oper am Rhein / © Hans Jörg Michel /

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